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FliesenKultur im Land der Entdeckungen 2016

„Weites Land aus Menschenhand – Marsch, Moor, Geest & Wattenmeer“ lautet der Titel des 2016 erneut stattfindenden Projektes „Land der Entdeckungen“. 2015 haben sich die Emsländische, Ostfriesische und Oldenburgische Landschaft sowie die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer zum Kulturnetzwerk Weser-Ems zusammengeschlossen, dieses Jahr trägt das neue Netzwerk erstmalig das Themenjahr „Land der Entdeckungen“.

Logo-Land der Entdeckungen-kleinRund 40 Kultur- und Tourismuseinrichtungen setzen sich zwischen März und Dezember 2016 auf vielfältige Art mit den Natur- und Kulturräumen Marsch, Moor, Geest und Wattenmeer auseinander. So vielfältig wie die Geschichten der Menschen, die aus dem Natur- einen Kulturraum machten, sind auch die Projekte des Themenjahres: von Radtouren über Ausstellungen bis hin zu Theater und Konzerten. Die Partner, die Landschaften und die Nationalparkverwaltung setzen sich kreativ mit der eigenen Umwelt auseinander und auch das Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser ist dieses Jahr mit dabei.

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plassmann

Kulturlandschaft Unterweser

plassmannDas Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser e. V. besteht aus den drei Häusern „Borgstede & Becker“ und Telegraph in Brake sowie Haus Elsfleth. Zusätzlich zu den Dauerausstellungen, die in den Gebäuden gezeigt werden, weißt das Projekt „Kulturlandschaft Unterweser“ als Entdeckungsreise auf wichtige Gebäude und Plätze der regionalen Schifffahrtsgeschichte außerhalb des Museums.
Die Geschehnisse und Orte der Schifffahrtsgeschichte in Brake, Elsfleth und längs der Weser werden mithilfe von individuell zusammenstellbaren Infokärtchen sowie über QR-Codes und eine Internetseite dokumentiert und so Interessierten, Touristinnen und Touristen sowie Besucherinnen und Besuchern des Museums anschaulich und auf verschiedene Arten präsentiert.
Das Projekt „Kulturlandschaft Unterweser“ versteht sich als „entgrenztes Museum“ und schließt die Lücke zwischen museal aufbereiteter Präsentation und Vermittlung und den noch erhaltenen und erlebbaren Orten des maritimen Erbes der Region.
Zusätzlich zu den Infokärtchen werden in den nächsten Monaten ausgewählte Inhalte der Dauerausstellungen in den Museums-Häusern mit QR-Codes ausgestattet, die weitergehende Informationen über einzelne Ausstellungsstücke bieten. In Verbindung mit den bereits bestehenden Infokärtchen, die eine Kontextualisierung und Erfahrbarkeit der maritimen Kulturlandschaft der Unterweser-Region ermöglichen, entsteht so Schritt für Schritt eine umfassende Verbindung zwischen Museum und Region. Auf diese Weise wird der Rundgang durch die Dauerausstellung sinnvoll um „Stadtrundgäng“ ergänzt, die die Besucherinnen und Besucher als zusätzliches Angebot nutzen können.
Die Verbindung von „Außenstationen“ und Objekten und Themenfeldern im Museum ist bereits jetzt angelegt.
Mittel- und langfristig soll das Projekt um den Bereich der Unterweser bis Nordenham und südlich bis Lemwerder erweitert werden.
Das Projekt ist zweisprachig deutsch/englisch angelegt.

Die Zielgruppe

„Kulturlandschaft Unterweser“ ist so formuliert und gestaltet, dass es von Besucherinnen und Besucher ab dem Jugendalter genutzt werden kann. Im Fokus stehen Familien, aber auch Individual- und Gruppenreisende. Die Dokumentation auf Infokärtchen erlaubt das flexible Zusammenstellen individueller Routen, die entweder zu Fuß, aber auch per Fahrrad, PKW oder auch mit dem öffentlichen Nahverkehr erkundet werden können. Daneben richtet sich das Projekt nicht nur an Tagesgäste oder Urlauber, sondern selbstverständlich auch an die Anwohner, die mit Hilfe der angebotenen Informationen ihr eigenes Lebensumfeld und die maritimen kulturellen Wurzeln ihrer Region vertiefend erkunden können.
Das Projekt ist zweisprachig (deutsch/englisch) angelegt und wird so der gemischten Besucherstruktur der Wesermarsch sowie der zunehmenden Globalisierung gerecht.
Durch die neu erstellte Internetseiten www.wesermarsch-maritim.de bzw. en.wesermarsch-maritim.de ist das Angebot auch vom heimischen PC aus zu erreichen. Dadurch wird zusätzliche Aufmerksamkeit, z.B. bei der Urlaubsplanung, auf die Geschichte der Region gelenkt und selbige auch in der „digitalen Welt“ sichtbar gemacht.

Die Realisierung

Ol Landschaft Nds LzO-Logo_Rot_Regionale Stiftung_cmykDie Grundlagen des Projektes wurden bereits im Jahr 2013 in Angriff genommen. Im Rahmen der Weiterbildung „Regialog“ wurden erste Recherchen und Texterstellungen durchgeführt, welche 2014 intensiviert und weiter vorangetrieben wurden. Zum Abschluss kam das Projekt schließlich im August 2015. 25 Stationen in Brake und Elsfleth wurden erschlossen und aufbereitet. Weitere Stationen sind in Planung und werden nach und nach auf der Internetseite eingepflegt und als Infokärtchen veröffentlicht.
Die Infokarten, welche in deutsch- und englischsprachigen Varianten vorliegen, stehen in allen Häusern des Schiffahrtsmuseums der oldenburgischen Unterweser zur Verfügung. Zudem haben die Touristinformation Brake und die Touristinfo Elsfleth die Karten in einem separaten Aufsteller in ihr Sortiment aufgenommen.
Ohne die Projektförderung durch die Oldenburgische Landschaft sowie die Regionale Stiftung „Gutes tun“ der Landessparkasse zu Oldenburg hätte „Kulturlandschaft Unterweser“ nicht in diesem Umfang realisiert werden können. An dieser Stelle gilt der Dank den beiden Projektförderen für die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit.

Verknüpfung bestehender Angebote

Das Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser steht für eine aktive Zusammenarbeit mit kulturellen und touristischen Akteuren der Region. Aus diesem Grund ist die Verknüpfung mit und der Hinweis auf weitere Angebote, die eine sinnvolle Ergänzung zum Angebot des Museums darstellen, von besonderer Wichtigkeit. So gibt es in Brake verschiedene Stadtführungen und Angebote wie „CultureCall“, auf die auf den Internetseiten und teilweise auf den gedruckten Infokärtchen hingewiesen wird. Die entsprechenden Informationen und Hinweise werden regelmäßig ergänzt.

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Darstellung einer Bremer Bark, im Hintergrund evtl. Hongkong. Beispiel für ein Kapitänsbild aus dem asiatischen Raum.

Im Atelier von Herrn Wo Hang

Die Ermittelung einer passenden Schiffsgelegenheit zur Fortsetzung meiner Reise forderte meine Rückkehr nach Hongkong. Am 13. Mai Mittags 12 Uhr machte ich mich auf den Weg und erreichte nach einer herrlichen, vom Monsoon beflügelten Fahrt schon um 4 Uhr den Ort meiner Bestimmung. Unterwegs hatte ich mich sehr gut unterhalten.

Der deutsche Journalist und Schriftsteller Ernst Ludwig Kossak veröffentlichte 1867 das Buch „Prof. Eduard Hildebrandt’s Reise um die Erde – Nach seinen Tagebüchern und mündlichen Berichten“ (alle Zitate von dort). Kossak nutzte für sein Werk die Tagebüchern und die letzten mündlichen Berichte Eduard Hildebrandts, dem deutschen Maler und königlich-preußischen Hofmaler. In den Jahren zwischen 1861 und 1862 unternahm Hildebrandt seine letzte Kunstreise, während der er sich auch in Hongkong und Kanton aufhielt. Dort malte er nicht nur und schrieb Tagebuch, sondern besuchte ebenso Künstlerateliers.

Wir behielten noch Zeit übrig, einen Kunstgenossen in seinem Atelier zu besuchen. Den Meister selber fanden wir nicht nach gewohnter Weise im ersten Stockwerk. Die Räumlichkeit mochte ihm zu dunkel sein; er hatte nur die Eleven darin untergebracht. Die Leistungen der Jungen sowohl wie ihres Principals erhoben sich nicht über den Standpunkt der Anstreicherei. Etwas besser sah es in zwei Ateliers aus, die ich am folgenden Tage heimsuchte. Der Kunstzweig jedes Malers wurde durch große Aushängeschilder angezeigt.

Darstellung einer Bremer Bark, im Hintergrund evtl. Hongkong. Beispiel für ein Kapitänsbild aus dem asiatischen Raum.
Darstellung einer Bremer Bark, im Hintergrund evtl. Hongkong. Beispiel für ein Kapitänsbild aus dem asiatischen Raum.

Kossak beschreibt hier nach den Erfahrungen Hildebrandts, was heute kaum noch genau überliefert ist: Die Arbeit von Schiffsportrait-Malern im asiatischen Raum. Während Schiffsportraits bei genauerer Betrachtung sehr aufschlussreich sein können1 – an ihnen lassen sich direkt oder indirekt die Entwicklung der Schiffstypen, Fahrrouten, Farbgestaltung, Flaggenführung und die Besatzung ablesen -, ist über viele Maler heute nichts mehr bekannt. Signaturen fehlen auf vielen Kapitänsbildern, gerade aus dem asiatischen Raum.

Schiffsportraitmaler fertigten weltweit im Auftrag von Kapitänen oder Reedern Darstellungen von unzähligen Schiffen an. In China entwickelte sich der Markt dafür erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bei den Vorbereitungen zum Themensommer kam Kossaks Buch sehr gelegen. Die Erfahrungen, die Hildebrandt mit dem Schiffsportraitmaler Wo Hang macht, können als exemplarisch für die Zeit gelten.

Die Kundschaft der beiden Herren beschränkte sich wohl nur auf eingewanderte Kunstfreunde, denn die Inschriften waren im Pidjen Englisch abgefaßt. Herr Ye Chung war »Landschaftsmaler und Porträt« (Landscap painter and portrait). Herr Wo Hang »Landschaftsmaler und Schiff« (Landscap painter and ship from Canton). Letzterer war sehr stark beschäftigt. Zur Erinnerung an ihre Reise bringen alle Schiffscapitäne gern ein in China verfertigtes Bild ihres Fahrzeuges nach Europa zurück, in dem Laden des Herrn Wo Hang war also eine Anzahl von Seestücken bis auf das Schiffsporträt selber vorbereitet. Ich unterschied zwei Klassen von Hintergründen: eine stille See und ein vom Teifun bewegtes Meer, beide wie durch die Schablone gemalt. Je nach der Bestellung des Kunden wird das Schiff desselben mit ungeheuerlich großer Flagge hineingemalt. Gewöhnlich lassen die Schiffscapitäne beide Sorten anfertigen.

IMG_3583-001Da es nur einen Namen gibt und kein Bild dazu, lassen sich eventuelle weitere Bilder von Herr Wo Hang nicht zuordnen. Aber dennoch veranschaulichen die paar Zeilen aus dem Reisebericht, wie Kapitänsbilder derzeit entstanden. Was Kossak als „Pidjen Englisch“ bezeichnet, würde man heute „Pidgin-Englisch“ schreiben: ein stark vereinfachtes Englisch mit Elementen aus einer oder mehreren anderen Sprachen. Pidgin-Sprachen entwickelten sich vor allem da, wo Kolonialherren herrschten oder wo Handelsleute aus verschiedenen Sprachfamilien aufeinandertrafen. Diese vereinfachten Sprachformen, die im direkten Umgang miteinander entstanden, ermöglichte es z.B. Handelsleuten, sich zu verständigen. Der Künstler scheint also auf ausländische Auftraggeber eingestellt gewesen zu sein. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel für Pidgin-Englisch, welches auch noch einen maritimen Hintergrund hat, stammt von Harry Belafonte: „Hey Mista Tallyman, tally me banana.

Ein vergleichbares Kapitänsbild wie das der unbekannten Bremer Bark, findet sich in der Sammlung „The China Trade Paintings Digital Images Archive of the Art Discovery Institute, Fairfax, Virginia„. Dort findet man auch ähnliche Dschunken wie auf „unserem“ Kapitänsbild.

(Text: Nicole Gelhaus)
  1. Vorausgesetzt, die entsprechenden Informationen sind auf dem Bild zu finden []

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Brigg BELLONA, erbaut 1871 bei Jürgens, Elsfleth für Hustede & Co., Elsfleth, 12.1.1886 bei Jeremie vor Haiti gestrandet und verloren gegangen.

Schöne Schiffe!

Bark AURORA, ex SARAH GRICE. Wurde 1865 auf der Werft von L. Hill & Co in Port Glasgow gebaut. Bis 1880 Th. Grice, von 1880 bis 1899 Reeder C. Paulsen, Elsfleth / Bremen, ( Kapitän Dierks 1891); 1900  P. L. Möller, Mandal. 1908 auf der Reise von Nova Scotia nach Bracra gestrandet ( Totalverlust ).  Standort: Telegraph, Keller, Scheitern
Bark AURORA, ex SARAH GRICE. Wurde 1865 auf der Werft von L. Hill & Co in Port Glasgow gebaut.
Standort: Telegraph, Keller, Scheitern

Schon die Namen klingen verheißungsvoll: AURORA, BELLONA oder AEOLUS – von der römischen Göttin der Morgenröte über die Göttin des Krieges bis zum Gott des Windes, Schiffsnamen sagen viel aus über die Wünsche und Hoffnungen, die mit ihren Fahrten verbunden waren. Dabei bedienten sich die Eigner bei der Namensgebung nicht nur im reichhaltigen Angebot der klassischen Mythologie. Auch regionale Bezüge sind vielfach zu finden, Hinweise auf weite Reisen und verheißungsvolle Ferne oder patriotische Bekenntnisse. Doch eines war allen gemeinsam: Der Stolz auf das in Fahrt gesetzte Schiff, das die hiesige Region und die vor Ort ansässigen Kaufleute und Reeder im internationalen Handel teilhaben ließ. Der damit erzielte Erfolg führte ab Mitte des 19. Jahrhunderts für die gesamte Region der oldenburgischen Unterweser zu einer beachtenswerten wirtschaftlichen Blüte.

Zeungisse dieses Aufschwungs und des damit verbundenen unternehmerischen Stolzes sind die in unserem Fundus zahlreichen Schiffsporträts, die so genannten „Kapitänsbilder“, die auch in großer Vielzahl in unseren Dauerausstellungen zu sehen sind. Sie sind mehr als nur Dekoration – sie sind höchst aufschlussreiche und dabei zugleich zum Verlieben schöne Zeitdokumente, deren detailgetreu wiedergegebenen Inhalte auch Aufschluss geben über den Stellenwert, den sie für ihre Auftraggeber hatten.

Bark AEOLUS, erbaut 1872 bei C. Lühring, Hammelwarden für Gebr. Hustede, Elsfleth Standort: Telegraph, 1. Stock
Bark AEOLUS, erbaut 1872 bei C. Lühring, Hammelwarden für Gebr. Hustede, Elsfleth
Standort: Telegraph, 1. Stock

Die Maler führten ihre Werke in verschiedenen Techniken – Aquarell, Gouache, Ölgemälde oder Hinterglasmalerei – aus und präsentierten die Schiffe vor verschiedenen Hintergründen: mal in ruhiger See, einmal in stürmischen Gewässern. Dadurch ermöglichen Kapitänsbilder und Seestücke noch heute eine atmosphärisch dichte und höchst emotionale Reise durch die maritime Vergangenheit. Denn jedes dieser Bilder erzählt ein Kapitel regionaler und internationaler Schifffahrts- und Handelsgeschichte.

Mit dem Themensommer möchten wir unsere Besucherinnen und Besucher dazu anregen, sich mit diesen kleinen Kostbarkeiten intensiver zu beschäftigen und einmal mit Muße genauer hinzuschauen. Kommen Sie an Bord und lassen Sie sich entführen – in vergangene Zeiten und verheißungsvolle Fernen.

Wir wünschen Ihnen einen wundervollen maritimen Sommer!

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