Ein afrikanisches Mitbringsel

Auf Spurensuche

Im Zuge der Neugestaltung der Dauerausstellung im Braker Telegraph befinden wir uns gerade bei der Auswahl der Exponate, die wir in der Ausstellung zeigen wollen. Wie so oft, steckt auch hier der Teufel im Detail und spät rächt sich, was nicht von Anfang an ganz genau inventarisiert wurde. Im Laufe der Jahre sammelt sich im Fundus von Museen so allerhand an und wenn man bei der Annahme einzelner Objekte nicht ganz genau aufpasst, dann fehlen einem Informationen, die man irgendwann braucht.

Ein Beispiel für so ein Objekt, welches uns erstaunlicherweise einiges an Recherche abverlangt, ist ein Mitbringsel aus Afrika. Früher wie heute brachten Seeleute von ihren Reisen immer wieder Souvenirs für die Daheimgebliebenen mit. Nun liegt es fast in der Natur von Souvenirs, dass sich die wenigsten Menschen darüber Gedanken machen, dass ein paar Jahrhunderte oder sogar nur Jahrzehnte später das hergestellte bzw. gekaufte Kleinod „museumsreif“ sein könnte. Entsprechend verliert sich die Geschichte einzelner Stücke schnell im Dunst der Zeit. So auch in diesem Fall. Zudem kommt hinzu, dass ethnologische Objekte nicht zu unserem Sammlungsschwerpunkt gehören und daher eine Herausforderung der besonderen Art darstellen. Eine Herausforderung, die wir natürlich trotzdem gerne annehmen.

Ein afrikanisches Mitbringsel
Ein afrikanisches Mitbringsel

Bei diesem Mitbringsel handelt es sich um ein geschnitztes Boot, welches sich seit fast zehn Jahren in unserem Besitz befindet. Erfasst wurde es 1995 nur mit einer kurzen Beschreibung: „Kanumodell mit vierzehn herausnehmbaren Paddlerfiguren mit Stechpaddeln“. Das reicht natürlich nicht für eine Beschriftung in einer Ausstellung. Datiert wurde das Souvenir auf das 20. Jahrhundert. Jetzt geht sie also los, die Recherche, die Suche nach mehr Informationen.

Natürlich schaut man zuerst in den Quellen nach, die einem Vor Ort zur Verfügung stehen. In „In der Ferne und daheim. Seefahrer-Souvenirs in Mecklenburg-Vorpommern Ende des 20. Jahrhunderts“ fanden wir auf einem Foto ein ähnliches Modell, welches als „Drachenboot“ bezeichnet wurde. Etwas merkwürdig, bringt man doch Drachenboote eher mit China oder vielleicht noch mit Wikingern in Verbindung. Entsprechende Suchen bei Google, in den digitalisierten Sammlungen anderer Museen mit dem Schwerpunkt „Afrikanische Kunst“, in einschlägigen Kunstdatenbanken und sogar bei eBay brachten entsprechend keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Auch in anderen Büchern über Seemannsmitbringsel wurden wir nicht fündig. Da wir aufgrund der Schnitzarbeiten davon ausgehen können, dass es sich um ein Souvenir aus Afrika handelt, begannen wir die Suche mit entsprechenden Suchbegriffen (Boot, Schnitzerei, Schnitzkunst, Afrika) erneut. Aber erst der Wechsel in die englische Sprache brachte erste Ergebnisse von verschiedenen Seiten.

Dog Boat?

Von einem „Hundeboot“ hatten wir in der Tat noch nichts gehört. Wenn  Aber bei genauerer Betrachtung des Objektes, ähnelt die Schnauze des Bootes tatsächlich eher einem Hund, denn einem Drachen. Und tatsächlich wurden wir auf der Seite eines Kunsthändlers schließlich fündig. Beschrieben wird zwar die „Luxus-Variante“ aus Ebenholz und auch die Ausführung ist etwas anders, aber aus irgendeinem Grund ist tatsächlich von einem „Hundeboot“ die Rede.

Prozessionsboote gab und gibt es tatsächlich in verschiedenen Religionen und zu verschiedenen Anlässen. Aber eine zweite, vielleicht etwas „angesehenere“ Quelle zu „Dog Boat“, „Hundboot“ lässt sich nicht auftun. Zwischenzeitlich tauchen ein paar Auktionen auf, die ähnliche Souvenirs anbieten, aber verwertbare Informationen finden sich dort nicht. Trotzdem sind solche Informationen nicht zu unterschätzen, bieten sie doch einen guten Anhaltspunkt für die Befragung von Experten aus unserem Netzwerk. Mittlerweile unterstützt uns das Übersee-Museum bei der Recherche. Ein Beispiel für die gute Vernetzung und gegenseitige Unterstützung zwischen Museen, die heute herrscht.

Vielleicht ist ja auch unter unseren Leserinnen und Lesern jemand, der sich mit afrikanischer Folklore auskennt? Über weitere Hinweise zu Ursprung und Hintergrund unseres Mitbringsels freuen wir uns jederzeit.

Claus Hock

Wissenschaftlicher Volontär im Schiffahrtsmuseum, Fachreferent für Kulturmarketing und Kulturtourismus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *