Fliesenkultur-Heinz David-2

Keramik verbindet oder: Wie man für Blumentöpfe Aufmerksamkeit erzeugt

Wer unsere Dauerausstellung im Telegraphengebäude besucht, wird spätestens im zweiten Stock stutzen. Die nüchterne Architektur dieses technischen Baudenkmals wird auf einmal unterbrochen durch auffälliges Wanddekor: Fliesen mit dem Motiv „Bloempotten“ oder „Bloempotjes“ in der Farbe Manganbraun und in unterschiedlichen Ausführungen. Es ist offensichtlich, dass sie nicht zur Originalausstattung des 1846 errichteten Gebäudes gehören, in dem zu jener Zeit bereits Arrestzellen eingerichtet waren, das also, neben seinem eigentlichen Zweck, der Übermittlung von Nachrichten per optischer Telegraphie über eine Signalvorrichtung auf dem Dach, im Falle eines Falles auch als Gefängnis diente. Und eher nicht nach – relativ kostspieliger – Wanddekoration verlangte.

(mehr …)

Weiterlesen

Brigg BELLONA, erbaut 1871 bei Jürgens, Elsfleth für Hustede & Co., Elsfleth, 12.1.1886 bei Jeremie vor Haiti gestrandet und verloren gegangen.

Schöne Schiffe!

Bark AURORA, ex SARAH GRICE. Wurde 1865 auf der Werft von L. Hill & Co in Port Glasgow gebaut. Bis 1880 Th. Grice, von 1880 bis 1899 Reeder C. Paulsen, Elsfleth / Bremen, ( Kapitän Dierks 1891); 1900  P. L. Möller, Mandal. 1908 auf der Reise von Nova Scotia nach Bracra gestrandet ( Totalverlust ).  Standort: Telegraph, Keller, Scheitern
Bark AURORA, ex SARAH GRICE. Wurde 1865 auf der Werft von L. Hill & Co in Port Glasgow gebaut.
Standort: Telegraph, Keller, Scheitern

Schon die Namen klingen verheißungsvoll: AURORA, BELLONA oder AEOLUS – von der römischen Göttin der Morgenröte über die Göttin des Krieges bis zum Gott des Windes, Schiffsnamen sagen viel aus über die Wünsche und Hoffnungen, die mit ihren Fahrten verbunden waren. Dabei bedienten sich die Eigner bei der Namensgebung nicht nur im reichhaltigen Angebot der klassischen Mythologie. Auch regionale Bezüge sind vielfach zu finden, Hinweise auf weite Reisen und verheißungsvolle Ferne oder patriotische Bekenntnisse. Doch eines war allen gemeinsam: Der Stolz auf das in Fahrt gesetzte Schiff, das die hiesige Region und die vor Ort ansässigen Kaufleute und Reeder im internationalen Handel teilhaben ließ. Der damit erzielte Erfolg führte ab Mitte des 19. Jahrhunderts für die gesamte Region der oldenburgischen Unterweser zu einer beachtenswerten wirtschaftlichen Blüte.

Zeungisse dieses Aufschwungs und des damit verbundenen unternehmerischen Stolzes sind die in unserem Fundus zahlreichen Schiffsporträts, die so genannten „Kapitänsbilder“, die auch in großer Vielzahl in unseren Dauerausstellungen zu sehen sind. Sie sind mehr als nur Dekoration – sie sind höchst aufschlussreiche und dabei zugleich zum Verlieben schöne Zeitdokumente, deren detailgetreu wiedergegebenen Inhalte auch Aufschluss geben über den Stellenwert, den sie für ihre Auftraggeber hatten.

Bark AEOLUS, erbaut 1872 bei C. Lühring, Hammelwarden für Gebr. Hustede, Elsfleth Standort: Telegraph, 1. Stock
Bark AEOLUS, erbaut 1872 bei C. Lühring, Hammelwarden für Gebr. Hustede, Elsfleth
Standort: Telegraph, 1. Stock

Die Maler führten ihre Werke in verschiedenen Techniken – Aquarell, Gouache, Ölgemälde oder Hinterglasmalerei – aus und präsentierten die Schiffe vor verschiedenen Hintergründen: mal in ruhiger See, einmal in stürmischen Gewässern. Dadurch ermöglichen Kapitänsbilder und Seestücke noch heute eine atmosphärisch dichte und höchst emotionale Reise durch die maritime Vergangenheit. Denn jedes dieser Bilder erzählt ein Kapitel regionaler und internationaler Schifffahrts- und Handelsgeschichte.

Mit dem Themensommer möchten wir unsere Besucherinnen und Besucher dazu anregen, sich mit diesen kleinen Kostbarkeiten intensiver zu beschäftigen und einmal mit Muße genauer hinzuschauen. Kommen Sie an Bord und lassen Sie sich entführen – in vergangene Zeiten und verheißungsvolle Fernen.

Wir wünschen Ihnen einen wundervollen maritimen Sommer!

Weiterlesen