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Hinter „telegraphischen“ Gardinen

Aus einem Bericht von 1879
Aus einem Bericht von 1879

Der Telegraph diente als Station für die optische Telegraphenlinie, so viel ist den meisten Brakerinnen und Brakern und den meisten Touristen sicherlich bekannt. Für die Telegrafie, zunächst die optische und später die elektromagnetische, wurden aber nur die oberen Turmgeschosse genutzt. In den beiden unteren Stockwerken – der Keller wurde erst in späteren Jahren ausgebaut – war von Anfang an eine andere Nutzung vorgesehen: Amtsschließerei bzw. Gefängnis. Die Wachstube befand sich im Erdgeschoß, sechs Zellen und ein paar Nebenräume. Im 1. Stock gab es zwei weitere Zellen, zudem hatte der Wachtmeister dort seine Dienstwohnung. Das Gefängnis hielt sich bis ins 20. Jahrhundert, wurde aber auch bei Zeiten zweckentfremdet: Während einer Cholera-Epidemie im September 1849 wurde die Amtsschließerei vorübergehend als Cholera-Hospital genutzt.

Vieles hat sich in unmittelbarer Umgebung des Braker Wahrzeichens in der über 150-jährigen Geschichte des Gebäudes ereignet. Die Schiffe der ersten Deutschen Flotte und es ist davon auszugehen, dass vom Telegraphen aus auch Nachrichten an die in Bremerhaven ansässige Kommandantur und Seezeugmeisterei gingen. Die erste öffentliche Uhr Brakes hing am Telegraph und die Kaje war beliebter Ausflugsort für die Bewohnerinnen und Bewohner der Wesermarsch. Die Gefangenen in den Zellen bekamen vom Leben außerhalb des Gefängnisses wenig mit: Wo heute große Fenster in den unteren Stockwerken sind, gab es früher nur schmale Schlitze, die kaum einen Blick aus den Zellen ermöglichten. Am Gebäude selbst veränderte sich lange Zeit wenig. Erst nach 1900 wurde auf der Südseite ein Transformatorenraum erbaut, ebenso eine Wartehalle für Schiffspassagiere. Die Palisadenwand, die den Richtung Weser gelegenen Gefängnishof umgab, wurde durch eine massive Mauer ersetzt.

Die Uhr, die in Richtung der Langen Straße angebracht ist, erhielt 1924 ein neues Uhrwerk. Gedient war den Menschen damit aber nicht, es dauerte bis 1926, bis die Uhr zuverlässig eingestellt war. Die Butjadinger Zeitung schrieb am 5. Februar 1926 dazu u.a.: „Der [Staat] hat aber scheinbar kein Geld mehr übrig zur Unterhaltung dieses öffentlichen Zeitmessers. Auch diese Ausgabe soll […] der Stadt Brake zugeschoben werden, die sowieso mit ihren Finanzen nicht aus noch ein weiß. […] Und da auf die Kirchenuhr schon lange kein Verlaß mehr und die Bahnhofsuhr alle acht Tage überklebt ist, so haben wir tatsächlich zu verzeichnen, daß in Brake keine öffentliche Uhr die Zeit richtig anzeigt. Armes Brake!“

Der Telegraph, wahrscheinlich um 1920.
Der Telegraph, wahrscheinlich um 1920.

1926 wurde die Amtsschließerei zum Gerichtsgefängnis. In der Zeit des Nationalsozialismus‘ unterhielt aber auch die Hitlerjugend ein Heim in den beiden unteren Geschossen, zumindest bis 1937. Schon jetzt machte sich die Stadt Gedanken über einen Ankauf des Gebäudes und die weitere Nutzung. Der Telegraph gehörte als Wahrzeichen fest zu Brake und sollte erhalten bleiben, soweit war man sich einig. 5000 Reichsmark bot die Stadt der Regierung in Oldenburg. Handelseinig wurde man sich nicht. Mit dem deutschen Angriff auf Polen begann der 2. Weltkrieg. Es ist anzunehmen, dass auch während dieser Zeit der Telegraph weiterhin als Gefängnis genutzt wurde. Viel ist aus diesem Kapitel der deutschen Geschichte aber nicht überliefert. 1945 wurden von den Briten wohl einige Personen im Telegraph inhaftiert und in den Nachkriegsjahren ist die Nutzung als Gefängnis wieder bis ca. 1951 nachzuweisen.

So erhielt der damalige Leiter des „Polizeigefängnisses“, Bruno Harms, 1949 eine Entschädigung für die erneute Überholung und Instandsetzung des Uhrwerkes. Anfang der 1050er Jahre wurde das Gefägnis komplett aus Brake abgezogen und die Suche nach einer Nachnutzung begann.

Claus Hock

Wissenschaftlicher Volontär im Schiffahrtsmuseum, Fachreferent für Kulturmarketing und Kulturtourismus.

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