Der LKW zur Schädlingsbekämpfung bei der Moorseer Mühle.

Im Clinch mit dem Holzwurm

Die Larve des Gemeinen Nagekäfers, gemeinhin als Holzwurm bekannt. Foto: Kai-Martin Knaak // http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Holzwurm_larve.jpg
Die Larve des Gemeinen Nagekäfers, gemeinhin als Holzwurm bekannt. Foto: Kai-Martin Knaak

Zu den Kernaufgaben eines Museums gehört neben dem Forschen und Sammeln das Bewahren. Mit der Inventarisierung und Lagerung bzw. der Ausstellung im Museum selbst ist es dabei aber nicht getan. Grundsätzlich sind Objekte, die sich im Magazin bzw. in der Ausstellung befinden, zwar gut aufgehoben, aber es gibt Faktoren, die intensiv beachtet werden müssen und große Herausforderungen darstellen. Stark schwankende Klimaverhältnisse (Luftfeuchtigkeit, Kälte, Hitze, Trockenheit, Licht) machen Holz, Metall, Keramik und Leinwand in unterschiedler Art und Weise zu schaffen. Aber auch kleine, possierliche Tierchen schleichen sich gerne ein. Bei Holz ist hier besonders der „Gemeine Nagekäfer“ bzw. seine Larven gemein im doppelten Sinne.  Die Larven sind besser als Holzwurm bekannt und verstecken sich in Bilderrahmen, Stühlen, Schildern, Truhen, Kisten usw.

Im Schiffahrtsmuseum haben wir natürlich viel mit Holz zu tun. Jedes Halbmodell, die meisten Schiffsmodelle, Seekisten, Werkzeugkisten, Taljen, Bilderrahmen und unzählige weitere Objekte bestehen komplett oder zu großen Teilen aus Holz. Da ist schon die Überprüfung bei der Annahme von Objekten, sei es als Schenkung, Dauerleihgabe oder Ankauf, von besonderer Bedeutung. Wird der Holzwurm bereits hier erkannt, kann man einer Kontamination anderer Objekte durch gesonderte Lagerung oder unverzügliche Behandlung vorbeugen. Wird der noch aktive Holzwurm übersehen, dann droht eine Ausbreitung im gesamten Magazin.

Nils Meyer, Museumsdirektor in Moorsee, überprüft und protokolliert den Erwärmungsvorgang.
Nils Meyer, Museumsdirektor in Moorsee, überprüft und protokolliert den Erwärmungsvorgang.

Um das zu verhindern, gibt es neben der getrennten Lagerung natürlich die Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung. Vor kurzem hatten wir dank der Moorseer Mühle und dem Museumsverbund Wesermarsch die Gelegenheit, einen mobilen Schädlingsbekämpfungs-LKW mitnutzen zu können. Nils Meyer, Museumsdirektor in Moorsee, hatte im Zuge der Renovierung des Müllerhauses einen Bekämpfungs-LKW der Firma IRT Lippstadt kommen lassen und hatte den Verbundsmuseen angeboten, ein paar ihrer Exponate gleich mit behandeln zu lassen. Auch das Museum Nordenham und das Handwerksmuseum Ovelgönne nutzten die Chance.

Die Schädlingsbekämpfung mittels LKW funktioniert, ganz kurz gesagt, wie folgt: Der Innenraum des Aufliegers, in dem die Objekte lagern, wird langsam auf ca. 55° Celsius erhitzt. Diese  Temperatur wird für mehrere Stunden gehalten. Insekten können bei diesen Temperaturen nicht überleben, aber durch die stetige Erwärmung der Objekte und die Beibehaltung einer schonenden Luftfeuchtigkeit werden Schäden an den Objekten vermieden. Während die Moorseer Mühle hauptsächlich Möbel behandeln ließ, nutzten wir die Gelegenheit, um u.a. alte Bootsbauwerkzeuge von den Larven des Gemeinen Nagekäfers befreien zu lassen.

Mehrere Tage stand der LKW auf dem Museumsgelände und trotz kleinerer Probleme waren am Ende alle zufrieden, als sich der LKW zu seinem nächsten Einsatzort aufmachte.

Claus Hock

Wissenschaftlicher Volontär im Schiffahrtsmuseum, Fachreferent für Kulturmarketing und Kulturtourismus.

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